Christian Iff

05.03.2018

Lesezeit: 5 Minuten

Wie wichtig ist User Experience für SEO?

Wie oft hab ich diese Lüge schon gehört:

“Wir optimieren für den User, nicht für die Suchmaschine.”

Zu oft! Am Ende sind es meist leere Versprechungen und es wird eher etwas mehr Geld in Links gesteckt anstatt in die User Experience. Praxisorientierte Menschen werden sagen, weil es “eben so funktioniert”. Kann ich das nachvollziehen? Auf jeden Fall. Sehe ich es genau so? Nope!

Hier ein paar Gedanken, weshalb UX für mich ein elementarer SEO-Punkt ist:

1. Google wird jeden Tag besser

Als ich 2003 mit Suchmaschinenoptimierung angefangen habe war es wirklich noch einfach in relativ kurzer Zeit für allerhand Keywords zu ranken und mit genug Ausdauer und Zeit sich auch oben zu halten. Was man heute als schlimmstes Black-Hat bezeichnet, war damals ganz normal und gehörte dazu, wenn man professionelle Arbeit geleistet hat.

Sicher, einige Tricks gegen die Google Guidelines funktionieren noch irgendwie. Aber auch dieses Spiel ist viel mühsamer geworden. Warum ist es mühsamer geworden? Jep, der Google Bot ist besser geworden. Die Suchmaschine versteht und interpretiert Inhalte viel besser. Was ist minderwertig, was ist hochwertig, wie sieht der Content aus? Wie performed der Inhalt im Vergleich zur Konkurrenz?

Machine Learning, Rankbrain & Co – davor können wir nicht die Augen verschließen. Insbesondere auch nicht davor, dass die wenigsten einfach nur noch in ihrem Browser suchen. Voice Search, Social Search, Apps etc.!

2. Löst Du ein Kundenproblem?

User Experience wird mir zu oft als rein visueller Bereich verkauft. Ich kenne so viele Suchmaschinenoptimierer, die von vornherein sagen “Das liest sich doch eh keiner durch”. Na, ertappt? 😉

Es kostet unglaublich viel Zeit und Recherche, guten Content zu erstellen, der gelesen wird.

Wenn jemand ein Produkt sucht oder eine Kategorie, welche Fragen könnte dieser User haben, die wir beantworten können?

Wenn der inhaltliche Teil definiert ist, sollte extrem viel Zeit in Google Analytics, Heatmap, Scroll- und User Recording Analyse gesteckt werden. Wie nutzen User unsere Website? Mit welchen Geräten nutzen sie sie? Wie können wir schneller auf den Punkt kommen? Wie können wir Google dabei helfen zu verstehen, dass wir das perfekte Ergebnisse für diese Suchanfrage sind.

 

3. Verstehst Du Deinen Kunden überhaupt?

Das ist die ultimative Herausforderung! Egal wie clever ein Mitarbeiter bei BOY & MAN ist, wie soll sie/er – ohne persönlichen Bezug – eine 35-jährige Mutter verstehen, die auf der Suche nach dem perfekten Kinderwagen für exakt ihre Ansprüche ist?

Keine Chance.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass Du Dich wirklich mit dem User auseinandersetzt. Sprich mit ihm, mach Umfragen über HotJar, lass Deinen Content von ihm bewerten. Was sind seine Sorgen? Was sind seine Fragen?

Steckst Du die Arbeit rein, die Dein User verdient? Ich zweifle stark daran.

Typischer SEO Experte Gedankengang

Erkenntnis
Nutzer suchen einen Kinderwagen und brauchen eine passende Landing Page.

Typischer User Gedankengang

1000 Fragen bevor man eine Entscheidung trifft.

Zusammenfassung

Ich hab 0,0 Ahnung was ich kaufen soll. Ich muss verdammt viel recherchieren, Freunde fragen und noch mehr recherchieren.

4. Technisches Zeug

Okay, alles schön und gut denkst Du Dir. Aber in der Praxis sieht das alles ganz anders aus, oder? Nicht wirklich. Der Grund warum Du nicht weiter nach vorne kommst in den Suchergebnissen, den Du einfach nicht findest – obwohl Du alles perfekt erledigt hast – kann durchaus an den User-Signalen liegen.

Wir haben das schon oft erlebt: Perfekter Linkjuice, Server Logfiles sahen gut aus, Crawl Budget perfekt optimiert, Linkaufbau clean und hochwertig und trotzdem ging es nicht richtig voran.

Beispiel Pogo Sticking

Pogo Sticking ist, wenn ein Benutzer eine Suche durchführt, auf ein Ergebnis klickt und wieder sehr schnell auf die Suchergebnisse zurückgeht und auf ein anderes Ergebnis klickt.

Diese Art von Verhalten ist ein direktes Ergebnis der unmittelbaren Unzufriedenheit im Suchergebnis und im Gegensatz zur Bounce Rate ist Pogo Sticking immer eine schlechte Sache und kann zu Ranking-Verlusten führen. Auch wenn Google “offiziell” sagt, dass Pogo Sticking kein echtes Ranking-Signal ist, hat man in einigen Testläufen bereits gesehen, dass es großen Einfluss auf die Ergebnisse hat.

Fazit

Nach 15 Jahren im SEO Business weiß ich, dass eine erfolgreiche SEO-Strategie heute vor allem eines ausmacht:
Die Anforderungen haben sich geändert, der User steht ganz klar im Mittelpunkt und die Ignoranz dieses Fakts kann schlimme Folgen haben.

Logische Konsequenz ist es, dem Chef zu vermitteln, dass das Designteam WIRKLICH zum SEO-Team gehören muss, ohne mittelfristig ein böses Erwachen zu erleben. Bei uns arbeiten UI-Experten direkt mit technischen SEO Executives zusammen und wir fahren damit sehr gut!

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09.12.2018

Extrem guter Artikel! Wie vermittelt ihr das Firmen erfolgreich, bei denen die Stakeholder in 5 oder mehr unterschiedlichen Abteilungen sitzen?

09.12.2018

Hi Harry, danke erstmal für das positive Feedback. Puh sehr schwierig. Also in der Regel ist es dann notwendig, alle 5 in einen Raum zu bringen um dort die gleiche Sichtweise zu kommunizieren und allen kritischen Fragen, Rede und Antwort zu stehen. Der Artikel wurde aus diesem Grund verfasst! Wir haben genau so ähnliche Herausforderungen zwischen verschiedenen Teams. Wie bei allem, Kommunikation ist der Schüssel. Taube Ohren, bleiben leider taub. Grüße und einen schönen Sonntag, Christian

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